Just a Ride – aber was für einer…
Vollgummi Vol. 3 ist ein Bikepacking-Event über ca. 500km und 8300hm.
Ich fahre self-supported, also komplett eigenständig, ohne externe Hilfe. Alles, was ich brauche, trage ich bei mir. Insgesamt muss man sechs Checkpoints anfahren. Die Route konnte man selbst im Voraus planen. Danach beginnt das eigentliche Abenteuer.
Von Burgdorf starte ich in den Tag – der erste Kilometer neutralisiert, ein ruhiger Auftakt. Doch schon bald beginnt der Anstieg zur Ahornalp im Oberaargau, dem ersten von sechs Checkpoints. Die Beine sind frisch und die Vorfreude riesig. Genau so soll ein Abenteuer beginnen.
Weiter geht’s über Langenthal, Balsthal, Gänsbrunnen und Reconvilier hinauf zum Restaurant la Werdtberg im Jura. Dieser zweite Checkpoint liegt auf einer Anhöhe mit fantastischem Ausblick. Die Strecke fordert, aber sie gibt auch viel zurück. Hier hole ich meinen zweiten Stempel, als Beweis, dass ich hier war. Ausserdem ist jeder Fahrer mit einem Tracker versehen, damit die Lieben zu Hause und auch die Organisatoren wissen, wo man sich befindet.
Nach diesem Checkpoint rolle ich teilweise über die Transjuranne hinunter nach Biel. Ein kurzer Moment in der Stadt, dann zieht es mich weiter übers Berner Seeland in den Naturpark Gantrisch. Der Anstieg nach Ottenleuebad zum gleichnamigen Hotel, dem dritten Checkpoint, ist gleichmässig und nicht allzu steil. Die Aussicht erneut traumhaft. Stempel abholen und weiter geht’s.
Bevor ich zum Schwarzsee hochfahre, gilt es noch, die Bidons zu füllen und sich mit Nahrung einzudecken. Meist mache ich das bei Tankstellenshops. Ab und zu begegnet man hier Mitfahrern – ein kurzer Gruss und ein paar Worte werden ausgetauscht. Sonst ist man meist ganz auf sich allein gestellt und sieht keine andere Menschenseele. Manche strotzen vor Energie, andere sind gezeichnet von der Hitze und den bereits bezwungenen Kilo- und Höhenmetern. Ein kleiner Schwatz, dann kehrt die Einsamkeit zurück.
Von dort fahre ich weiter zum Schwarzsee und über den Oberen Euschelspass. Diese Strecke ist zwischendurch sehr steil, und ich schiebe mein Rad, auch weil es eine Kiesstrasse ist.
Es ist bereits Nacht, als ich den steilen Übergang meistere – genau das liebe ich: In der Dunkelheit zu fahren, begleitet vom Licht des Vollmondes und der Stille der Berge. Die Abfahrt ist rasant und führt nach Jaun. Über Abländschen und an rauschenden Bächen entlang geht’s zum Mittelbergpass hoch. Es ist immer noch dunkel, und die Abfahrt nach Saanen hinunter bereitet mir eine Schrecksekunde. Ein Hase, der die Strasse queren möchte, stoppt glücklicherweise am Strassenrand abrupt – Glück gehabt. Dies ist die einzige brenzlige Situation bei meiner Fahrt.
Unten angekommen, wartet schon die nächste Bergfahrt mit einer moderaten, durchschnittlichen Steigung von 8%, hinauf zum Vorderen Eggli, dem vierten Checkpoint. Bis hierhin habe ich etwas mehr als die Hälfte meines Abenteuers hinter mich gebracht.
Oben ist es traumhaft – die Silhouette der Berge, der klare Sternenhimmel und der Mond. Ein Moment zum Innehalten.
Aber die Fahrt geht weiter. Zurück nach Saanen, über Schönried, das Simmental hinunter, entlang dem Thuner- und Brienzersee und dann hinauf zum Brünigpass.
Die Sonne geht langsam auf, als ich weiter zur Mägisalp hochkurble. Kurz vor dem fünften Checkpoint auf der Seemad wartet noch ein steiler 1,3 km langer Kiesabschnitt – eine letzte Prüfung vor dem nächsten Etappenziel. Aber auch das schaffe ich.
Die Anfahrt zum sechsten und letzten Checkpoint beginnt mit einer langen Abfahrt und einer flachen Passage bis nach Ostermundigen. Die Beine sind müde, aber der Wille ist stark.
Der Schlussabschnitt zurück nach Burgdorf ist vorgegeben – mit einer letzten, schweisstreibenden Steigung bei sommerlicher Hitze. Doch ich halte durch.
Nach 27 Stunden und 17 Minuten bin ich voller Freude und Zufriedenheit wieder an dem Ort angekommen, von dem ich gestartet bin.
Mein Dank gilt den Organisatoren Alexandra und Beat sowie den motivierten Helfer/innen an den Checkpoints. Ihr habt uns dieses Abenteuer möglich gemacht.
Just a Ride – aber was für einer…einer, der mir für immer in bester Erinnerung bleiben wird.
Manfi Reichmuth

502.52Km / 8’348Hm
23.35.35h Bewegungszeit
2’975 Schaltvorgänge
99’050 Pedalumdrehungen
10°C – 38°C Temp.
Rang 17













